Mitten in der Müritzer Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern liegt ein Gewässer, das seine Unberührtheit einem ganz besonderen Umstand verdankt: dem ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker persönlich. Der Drewitzer See – 650 Hektar groß, für Berliner in knapp 1:40 Stunden erreichbar – war einst sein ganz privates Revier. Nur ein einziges Gebäude steht bis heute an seinem Ufer: Honeckers einstige Jagdhütte, der Ausgangspunkt zahlloser Jagd- und Angelausflüge mit geladenen Gästen. Unbefugte hatten hier schlicht nichts verloren. Genau dieser Abschottung ist es zu verdanken, dass Flora und Fauna hier jahrzehntelang völlig ungestört gedeihen konnten. Heute trägt das gesamte Areal den Status eines Naturschutzgebiets, und Motorboote sind auf dem See verboten – was dem Ganzen seinen besonderen Charakter bewahrt.
Wer lebt im Drewitzer See?
Wo einst der Staatsratsvorsitzende logierte, begrüßt heute das Viverde Hotel seine Gäste – ein netter Kontrast zur Geschichte des Ortes. Was den Drewitzer See aus Anglersicht wirklich interessant macht: Er entstand in der Eiszeit und hat keinerlei Verbindung zu den umliegenden Gewässern. Absolute Abgeschiedenheit. Das Wasser ist glasklar und reicht stellenweise bis auf 33 m Tiefe hinab. Wer hier seinen Köder zu Wasser lässt, fischt in einem echten Ökosystem, das sich vollständig selbst reguliert. Beutefische gibt es in Hülle und Fülle – Stinte, Rotfeder, große Maräne, Brassen und Rotaugen tummeln sich hier, möglicherweise noch weitere Arten. Für Hecht und Barsch ist das ein gedeckter Tisch. Und genau deswegen sind wir hier.
Es geht los: Boot mieten
Die ersten beiden Tage verliefen zäh. Die Fische ließen sich kaum blicken, der Fang blieb sporadisch. Dann kam der Montag. Nach dem Frühstück schnappten wir uns ein Ruderboot vom Hotel und steuerten direkt auf die sogenannte „Vogelinsel" zu – eine kleine Insel ungefähr in der Seemitte, auf der geschützte Vögel brüten. Etwa 50 m südöstlich dieser Insel erstrecken sich ausgedehnte Krautfelder in einer Tiefe zwischen 1,5 und 4 m. Genau dort warfen wir die Anker und bereiteten uns auf das vor, was kommen sollte.
Unsere Ruten und Köder
Daniel hatte sich kurz zuvor eine neue Rute gegönnt: eine Berkley Urban-Camo mit einem Wurfgewicht von 7-28 g bei 1,95 m Länge und mittlerer Aktion – und dieser Tag sollte ihr erster echter Test werden. Am Ende seines 40 cm langen Hartmonofilvorfachs hing ein 12 cm dunkelbrauner Fox Quiver Shad. Zielart: Hecht. Ich griff zur Crypton Shotgun LM 270 von Quantum und machte mich an die Köderwahl. Für mich ist dabei das Wetter und die damit verbundene Wasserfarbe immer der entscheidende Faktor.
Ich fahre generell lieber mit kleineren Gummiködern. Als ich den richtigen dann entdeckte, war ich mir sofort sicher: ein Lunker City Fin-S-Fish in 10,2 cm als Softjerk in der Farbe Pumpkinseed/Chartreuse. Ich wollte mit Daniel um den Erfolg wetten – aber er war selbst zu zuversichtlich, um darauf einzugehen.
Erfolgreich: Unser Fang
Der erste Wurf. Und schon hing ein Barsch dran – 26 cm. Kurzes Vermessen, obligatorisches Foto, und zurück ins Wasser. Wir setzen grundsätzlich keinen unserer Fänge auf die Leine. Kaum hatte ich den Köder wieder neu ausgeworfen, bog sich auch schon Daniels Rute durch. An der Art des Zugs erkannte er sofort: Hecht. Daniel kennt das Spiel – er lässt den Fisch sich ordentlich auspowern und landet ihn anschließend auf die schonendste aller Methoden: mit bloßer Hand ins Boot. Kein Haken, kein Kescher, kein Stress.
Die Hechte des Drewitzer Sees haben eine auffällig goldene Färbung und sind vergleichsweise wohlgenährt. Nach diesen ersten turbulenten zehn Minuten war klar: Das wird kein gewöhnlicher Angeltag. In den folgenden zwei Stunden landeten wir gemeinsam rund 6 Hechte und 5 Barsche – allesamt ordentlich, wenn auch ohne Riesenmonster darunter.
Für mich persönlich war es trotzdem ein besonderer Moment: Ich konnte meinen persönlichen Rekord einstellen. Ich bin noch in meiner zweiten Angelsaison, also noch echte Anfängerin. Letztes Jahr hatte ich auf dem Berliner Schlachtensee einen 67-cm-Hecht gefangen – und diesmal habe ich mich um glatte 2 cm verbessert. Wer jetzt lächelt, dem sei gesagt: Ich freue mich trotzdem.
Rückkehr im Regen
Natürlich ließ der Regen nicht lange auf sich warten – und natürlich befanden wir uns in diesem Moment am entgegengesetzten Ufer des Sees. Ohne Motor heißt das: Ruder in die Hand und durchziehen. Hauptsächlich für Daniel, natürlich. Aber da unser Rückweg an allen unseren Lieblingsspots vorbeiführte, konnten wir es natürlich nicht lassen, hier und da nochmals zu ankern und ein paar Würfe zu machen. Das Schilf um uns herum rauschte ohrenbetäubend im Wind, die Wolkendecke hing zum Greifen nah, und die Strömung schob uns hartnäckig in die falsche Richtung. Was uns am Ende durch die letzte Etappe trieb? Die Aussicht auf warmen Schokokuchen mit Eis und Rehrücken im Hotel. Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechtes Essen!






























